”Die komplette Analyse von Raymond Reddington bis zum Ende”
Ich habe The Blacklist inzwischen fünfmal gesehen.
- Und genau deshalb reicht es mir bei dieser Serie nicht, einfach zu erzählen, worum es geht.
- Nach fünf Durchgängen sehe ich The Blacklist nicht mehr nur als Krimiserie, sondern als ein über zehn Jahre gewachsenes Serienuniversum, in dem sich Kriminalgeschichte, Spionage, Familiengeschichte, Identität, Verrat, Macht und persönliche Tragödien miteinander verbinden.
- Für mich ist The Blacklist deshalb eine Serie, die man beim ersten Anschauen anders erlebt als beim dritten, vierten oder fünften Mal.
- Je häufiger ich sie sehe, desto stärker fallen mir Zusammenhänge auf, die beim ersten Durchgang noch wie einzelne Episoden wirken.
- Personen bekommen später eine völlig andere Bedeutung. Aussagen aus früheren Staffeln verändern rückwirkend ihren Sinn.
”Und vor allem Raymond Reddington wird mit jeder weiteren Betrachtung weniger zu einem gewöhnlichen Serienverbrecher und immer mehr zu einer Figur, um die sich praktisch die gesamte Geschichte dreht”
- Mein Name ist Jakob Diener, ich bin freiberuflicher Journalist aus Nordrhein-Westfalen.
”The Blacklist entstand nach einer Idee von Jon Bokenkamp und startete am 23. September 2013 beim amerikanischen Sender NBC”
- Die Serie brachte es auf zehn Staffeln und insgesamt 218 Episoden.
- Die zehnte und letzte Staffel lief 2023.
- Sony Pictures Television führt Jon Bokenkamp als Schöpfer und unter anderem John Eisendrath, Jon Bokenkamp, John Davis, John Fox und James Spader als Executive Producer.
- Zum Haupt Ensemble gehörten James Spader, Megan Boone, Diego Klattenhoff, Amir Arison, Hisham Tawfiq, Laura Sohn und Harry Lennix.
- Für mich beginnt die Geschichte mit einer der besten Ausgangsideen einer modernen Krimiserie.
“Raymond Reddington stellt sich freiwillig dem FBI”
- Raymond „Red“ Reddington, einer der meistgesuchten Verbrecher der Vereinigten Staaten, stellt sich freiwillig dem FBI.
- Er bietet den Behörden etwas an, das sie normalerweise niemals bekommen würden:
- Zugang zu einer Liste von Verbrechern, Terroristen, Spionen, Mördern, Geschäftemachern und anderen Personen aus der internationalen Unterwelt.
“Aber Reddington stellt eine Bedingung”
- Er will ausschließlich mit der jungen FBI-Agentin Elizabeth Keen sprechen.
- Und genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Geschichte.
- Denn zunächst sieht alles nach einer klassischen Crime-Serie aus.
- In jeder Folge steht ein sogenannter Blacklister im Mittelpunkt.
- Reddington kennt ihn oder sie, liefert Informationen und führt das FBI zu Personen, an die die Behörden ohne seine Hilfe kaum herankommen würden.
”Doch schon nach kurzer Zeit wird klar, dass die Fälle nur die sichtbare Oberfläche sind”
- Die eigentliche Geschichte lautet:
- Warum Elizabeth Keen?
- Warum kennt Reddington sie?
- Warum interessiert er sich so sehr für ihre Vergangenheit?
- Warum ist ausgerechnet diese junge FBI-Agentin für einen der gefährlichsten Männer der Welt so wichtig?
- Und warum scheint Reddington wesentlich mehr über ihre Familie zu wissen als Elizabeth selbst?
”Damit baut die Serie von Anfang an zwei Ebenen auf”
- Oben läuft der jeweilige Kriminalfall.
- Darunter läuft das große Geheimnis um Raymond Reddington und Elizabeth Keen.
- Und diese zweite Geschichte wird immer wichtiger.
“Raymond Reddington – der Mann, um den sich alles dreht”
- James Spader ist für mich die wichtigste Besetzung der gesamten Serie.
- Nicht weil die anderen Schauspieler unwichtig wären, sondern weil Raymond Reddington praktisch das Zentrum der gesamten Konstruktion bildet.
- Spader spielt Reddington nicht als gewöhnlichen Gangster.
”Reddington ist höflich, gebildet, humorvoll, kultiviert und gleichzeitig gefährlich”
- Er kann über Wein, Kunst, Reisen oder historische Persönlichkeiten sprechen und wenige Sekunden später eine Situation kontrollieren, in der ein Mensch um sein Leben fürchten muss.
- Diese Gegensätze machen die Figur aus.
- Reddington besitzt Geld.
- Er besitzt Kontakte.
- Er besitzt Informationen.
- Und vor allem besitzt er Wissen über andere Menschen.
- Seine eigentliche Macht besteht deshalb nicht in Waffen.
- Seine eigentliche Macht ist Information.
- Er weiß, wer wen betrügt.
- Er weiß, wer für wen arbeitet.
- Er kennt Geheimnisse.
- Und er weiß, wie man diese Geheimnisse einsetzt.
”Für mich ist genau das der Grund, warum Reddington über zehn Staffeln hinweg funktioniert”
- Er ist dem Zuschauer immer einen Schritt voraus.
- Oder zumindest soll man als Zuschauer diesen Eindruck haben.
“Die Blacklist als Grundidee”
- Die Blacklist selbst ist dabei mehr als eine Liste von Verbrechern.
- Sie ist das erzählerische Werkzeug, mit dem die Serie ihre Welt erweitert.
- Jede neue Person öffnet ein neues Kapitel.
- Ein Blacklister kann Terrorist sein, Wissenschaftler, Unternehmer, Killer, Spion, Menschenhändler, Hacker, Politiker oder jemand, der im Hintergrund einer internationalen Organisation arbeitet.
- Dadurch konnte The Blacklist über Jahre hinweg immer wieder neue Geschichten erzählen, ohne die Grundidee der Serie vollständig aufzugeben.
- Gleichzeitig wurde die Blacklist aber zunehmend zum Vehikel für die große Geschichte um Reddington.
- Die Fälle wurden immer stärker mit seinen persönlichen Beziehungen verbunden.
- Und genau hier begann die Serie, sich zu verändern.
“Von der Krimiserie zur internationalen Verschwörung”
- Die ersten Staffeln fühlen sich noch deutlich stärker nach einer klassischen amerikanischen Crime-Serie an.
- Das FBI untersucht Fälle.
- Reddington liefert Informationen.
- Elizabeth versucht, Reddington zu verstehen.
- Ressler misstraut ihm.
- Cooper versucht, innerhalb des Systems zu arbeiten.
- Doch nach und nach wird aus dieser Struktur eine internationale Spionagegeschichte.
- Geheimorganisationen tauchen auf.
- Regierungen sind beteiligt.
- Geheimdienste verfolgen eigene Interessen.
- Personen haben mehrere Identitäten.
- Und plötzlich weiß niemand mehr genau, wer eigentlich auf welcher Seite steht.
- Für mich ist das einer der entscheidenden Punkte von The Blacklist.
- Die Serie erweitert ihre Welt ständig.
- Aber je größer diese Welt wird, desto komplizierter wird auch die Geschichte.
“Elizabeth Keen – die Frau, die ihre eigene Identität sucht”
- Megan Boone spielt Elizabeth Keen.
- Zu Beginn ist sie eine junge FBI-Agentin, die gerade erst in eine spezielle Task Force aufgenommen wird.
- Doch Elizabeth entwickelt sich sehr schnell zur zweiten Hauptfigur der Serie.
- Und ihre Entwicklung ist für mich mindestens genauso wichtig wie Reddingtons Geschichte.
- Elizabeth beginnt als Ermittlerin.
- Dann wird sie zur Betroffenen.
- Dann zur Verdächtigen.
- Dann zur Flüchtigen.
- Dann zur Gegnerin.
- Und schließlich zu einer Frau, die selbst Entscheidungen trifft, die sie früher niemals getroffen hätte.
“Das Entscheidende ist dabei”
Elizabeth untersucht nicht nur die Identität anderer Menschen.
Sie muss ihre eigene Identität finden.
Und genau dadurch wird sie zum perfekten Gegenstück zu Reddington.
Reddington weiß sehr viel über Elizabeth.
Elizabeth weiß sehr wenig über Reddington.
Je mehr sie herausfinden will, desto stärker wird sie selbst Teil des Geheimnisses.
“Tom Keen – der Ehemann, der nicht der Ehemann ist”
- Tom Keen darf in dieser Analyse auf keinen Fall fehlen.
- Ryan Eggold spielt Tom, Elizabeths Ehemann.
- Und Tom ist eine der Figuren, bei denen The Blacklist früh zeigt, worum es in der Serie tatsächlich geht.
- Tom ist nicht einfach der liebevolle Ehemann einer FBI-Agentin.
- Er hat eine andere Identität.
- Er hat eine andere Vergangenheit.
- Er wurde für bestimmte Aufgaben ausgebildet.
”Und plötzlich muss Elizabeth erkennen, dass ausgerechnet der Mensch, dem sie am nächsten steht, ihr ebenfalls nicht die Wahrheit gesagt hat”
- Damit wiederholt die Serie ihr wichtigstes Motiv.
- Der Mensch ist nicht unbedingt der, für den man ihn hält.
- Das gilt für Reddington.
- Das gilt für Tom.
- Das gilt für Elizabeth.
- Und später gilt es für zahlreiche weitere Figuren.
- Tom wird dadurch zu einem wichtigen Bestandteil der großen Identitätsgeschichte.
- Seine Beziehung zu Elizabeth entwickelt sich von einer scheinbar normalen Ehe zu einer der kompliziertesten Beziehungen der gesamten Serie.
- Und auch nachdem sich ihre Beziehung verändert, bleibt Tom für Elizabeths Geschichte entscheidend.
“Katarina Rostova – das Geheimnis hinter Elizabeths Vergangenheit”
- Und dann kommt Katarina Rostova.
- Die Figur gehört zu den wichtigsten Elementen der gesamten Mythologie.
- Katarina ist Elizabeths Mutter.
- Sie ist gleichzeitig mit der Vergangenheit des ursprünglichen Raymond Reddington verbunden.
”Und genau hier beginnt die Geschichte endgültig kompliziert zu werden”
- Denn der Raymond Reddington, den wir als James Spader sehen, ist nicht der ursprüngliche Raymond Reddington.
- Der ursprüngliche Raymond Reddington war ein US-amerikanischer Marineoffizier.
- Der Mann, den wir als Raymond Reddington kennenlernen, übernahm diese Identität.
”Damit verändert sich die zentrale Frage der Serie”
- Es geht nicht mehr nur um die Frage:
- Wer ist Raymond Reddington?
- Es geht um die Frage:
- Wer ist der Mann hinter dieser Identität?
- Und warum hat er diese Identität übernommen?
- Katarina Rostova ist für diese Fragen unverzichtbar.
- Sie verbindet die Vergangenheit von Elizabeth mit der Vergangenheit Reddingtons.
- Sie verbindet Geheimdienste mit Familie.
- Und sie verbindet die große politische Verschwörung mit einer sehr persönlichen Geschichte.
“Die Identitätsfrage”
- Für mich ist die Identitätsgeschichte der eigentliche Kern von The Blacklist.
- Die Serie beschäftigt sich immer wieder mit der Frage, ob eine Identität durch einen Namen, einen Pass, eine Erinnerung oder durch die eigenen Handlungen definiert wird.
- Menschen wechseln Namen.
- Menschen nehmen Identitäten an.
- Menschen werden als andere Personen ausgegeben.
- Menschen verschwinden.
- Menschen werden für tot gehalten.
”Und manchmal ist selbst eine scheinbar eindeutige Information nur ein Teil der Wahrheit”
- Genau deshalb ist The Blacklist beim wiederholten Anschauen so interessant.
- Wenn ich eine frühe Folge heute sehe, kenne ich bereits Informationen, die ich beim ersten Anschauen noch nicht hatte.
- Dadurch bekommen manche Szenen eine völlig andere Wirkung.
“Mr. Kaplan – eine der wichtigsten Nebenfiguren”
- Eine der Figuren, die ich dabei besonders interessant finde, ist Mr. Kaplan, gespielt von Susan Blommaert.
- Kaplan ist Reddingtons sogenannte Cleaner.
- Wenn Reddington Probleme hinterlässt, kümmert sie sich darum.
- Sie beseitigt Spuren.
- Sie organisiert Dinge.
- Sie sorgt dafür, dass bestimmte Menschen verschwinden.
- Und sie kennt Reddingtons Welt.
- Aber Kaplan ist nicht einfach nur eine Angestellte.
- Ihre Beziehung zu Reddington reicht wesentlich tiefer.
”Und irgendwann kommt der Punkt, an dem ihre Loyalität zu Reddington mit ihrer eigenen Vorstellung davon kollidiert, was sie für richtig hält”
- Damit wird Kaplan zu einer der wenigen Personen, die Reddington wirklich gefährlich werden können.
- Besonders interessant finde ich, dass ihre Geschichte nicht einfach mit ihrem ersten scheinbaren Tod endet.
- The Blacklist spielt auch hier mit der Erwartung des Zuschauers.
- Kaplan überlebt und wird später zu einer ernsthaften Gegnerin Reddingtons.
- Ihre Geschichte gehört für mich deshalb zu den besten Beispielen dafür, wie aus einer Nebenfigur eine zentrale Figur werden kann.
“Harold Cooper – die institutionelle Gegenkraft”
- Harry Lennix spielt Harold Cooper.
- Cooper ist für mich das moralische und institutionelle Gegengewicht zu Reddington.
- Er ist FBI-Mann.
- Er kennt die Regeln.
- Er arbeitet innerhalb des Systems.
- Aber er weiß gleichzeitig, dass das System nicht immer ausreicht.
- Deshalb lässt er Reddington überhaupt zu.
- Cooper muss ständig zwischen Gesetz, Moral und praktischer Realität vermitteln.
- Er arbeitet mit einem Mann zusammen, dem er eigentlich nicht vertrauen kann.
- Und trotzdem braucht er ihn.
- Diese Beziehung macht Cooper zu einer der wichtigsten Konstanten der Serie.
“Donald Ressler – vom Gegner zum Verbündeten”
- Die Entwicklung von Donald Ressler, gespielt von Diego Klattenhoff, finde ich ebenfalls bemerkenswert.
- Ressler beginnt als klassischer FBI-Agent.
- Diszipliniert.
- Misstrauisch.
- Regelorientiert.
”Reddington ist für ihn zunächst genau das, was er sein soll: ein gefährlicher Verbrecher”
- Doch im Laufe der Jahre verändert sich Resslers Verhältnis zu Reddington.
- Die Zusammenarbeit zwingt ihn dazu, seine eigene Haltung immer wieder zu überprüfen.
- Und auch Resslers Beziehung zu Elizabeth verändert sich.
- Später wird aus dem ursprünglichen Gegenspieler ein Mann, der selbst tief in Reddingtons Geschichte hineingezogen wird.
“Dembe Zuma – Reddingtons wichtigste persönliche Beziehung”
- Hisham Tawfiq spielt Dembe Zuma.
- Dembe ist für mich eine der wichtigsten Figuren der Serie, weil er Reddington auf eine andere Weise kennt als praktisch alle anderen.
- Dembe ist nicht einfach sein Leibwächter.
- Er ist Vertrauter.
- Freund.
- Begleiter.
- Beschützer.
- Und manchmal auch moralisches Korrektiv.
- Während viele Menschen Reddington wegen seiner Macht folgen, basiert Dembes Beziehung zu ihm auf einer wesentlich persönlicheren Bindung.
- Dadurch bekommt Reddington eine menschliche Seite, die man bei seinen anderen Beziehungen teilweise kaum erkennt.
“Aram Mojtabai und Samar Navabi”
- Amir Arison als Aram Mojtabai bringt eine andere Seite in die Task Force.
- Aram ist technisch hochbegabt, aber gleichzeitig emotional wesentlich offener als viele seiner Kollegen.
- Er ist kein klassischer Action-Agent.
- Er ist der Spezialist, der Systeme versteht.
- Seine Beziehung zu Samar Navabi, gespielt von Mozhan Marnò, gehört ebenfalls zu den emotionaleren Handlungssträngen der Serie.
- Samar ist wiederum eine Figur mit eigener Geheimdienstgeschichte und eigenen moralischen Grenzen.
- Damit zeigt The Blacklist erneut, dass die Task Force nicht nur aus Ermittlern besteht, sondern aus Menschen mit eigenen Geschichten.
“Meera Malik und die Verbindung zur Vergangenheit”
- Meera Malik, gespielt von Parminder Nagra, gehört zu den früheren Mitgliedern der Task Force.
- Ihre Geschichte ist später auch deshalb interessant, weil ihre Tochter Siya Malik in der zehnten Staffel auftaucht.
- Damit schafft die Serie eine Verbindung zwischen ihrer frühen Geschichte und ihrer letzten Staffel.
- Die Figurenwelt wird dadurch über Jahre miteinander verbunden.
“Diane Fowler und die Cabal”
- Jane Alexander spielt Diane Fowler.
- Fowler ist eine wichtige Figur innerhalb der frühen Verschwörungsgeschichte.
- Sie gehört zur Welt der Cabal und verfügt über Informationen über Reddingtons Vergangenheit.
- Reddington erschießt Fowler am Ende der ersten Staffel, nachdem sie ihm Informationen über seine Familie beziehungsweise seine Vergangenheit in Aussicht gestellt hat.
- Dieser Moment zeigt sehr früh, wie The Blacklist arbeitet.
- Eine Figur, die scheinbar Antworten liefern könnte, wird beseitigt.
- Das Geheimnis bleibt bestehen.
“Peter Kotsiopulos – der Direktor”
- David Strathairn spielt Peter Kotsiopulos, den sogenannten Direktor.
- Auch diese Figur erweitert die Geschichte weit über das FBI hinaus.
- Der Direktor gehört zur geheimdienstlichen und politischen Machtstruktur hinter der Cabal.
- Damit wird deutlich, dass Reddington nicht nur gegen einzelne Verbrecher arbeitet.
- Er bewegt sich in einer Welt, in der Geheimdienste, Regierungen und internationale Organisationen eigene Interessen verfolgen.
“Alan Fitch”
- Alan Alda spielt Alan Fitch.
- Fitch ist eine weitere wichtige Figur innerhalb dieser Machtstruktur.
- Er ist einer der Männer, die Reddingtons Vergangenheit und die Vorgänge rund um die Cabal kennen.
- Interessant ist dabei die Beziehung zwischen Fitch und Reddington.
- Beide wissen Dinge über den jeweils anderen.
- Beide verfügen über Macht.
- Und beide wissen, dass Informationen tödlicher sein können als eine Waffe.
“Die Nebenfiguren als Fundament der Serie”
- Genau hier wird für mich deutlich, warum ich die Nebenfiguren von The Blacklist nicht einfach als Beiwerk betrachten kann.
- Glen „Jellybean“ Carter.
- Teddy Brimley.
- Marvin Gerard.
- Cynthia Panabaker.
- Laurel Hitchin.
- Berlin.
- The Major.
- Tom Connolly.
- Matias Solomon.
- Naomi Hyland beziehungsweise Carla Reddington.
- Alan Fitch.
- Diane Fowler.
- Peter Kotsiopulos.
- Und viele weitere.
- Einige dieser Figuren erscheinen nur in bestimmten Abschnitten der Serie.
- Aber manche von ihnen tragen ganze Handlungsstränge.
- The Blacklist besitzt deshalb eine ungewöhnlich große Figurenwelt.
- Und diese Welt wird immer wieder durch neue Personen erweitert.
“Die Produktion hinter The Blacklist”
- Wenn ich die Serie heute analysiere, interessiert mich deshalb nicht nur das Drehbuch.
- Mich interessiert auch, was hinter der Kamera notwendig war.
- Und hier wird es interessant.
- Obwohl The Blacklist überwiegend in Washington, D.C. spielt, wurde ein erheblicher Teil der Serie in New York produziert.
”Das Hauptquartier der Task Force wurde an den Chelsea Piers eingerichtet”
- Für bestimmte Washington-Szenen wurden tatsächlich markante Orte wie das Lincoln Memorial, das Washington Monument und die National Mall genutzt.
- Eine einzelne Episode benötigte durchschnittlich ungefähr neun Drehtage.
- Normalerweise wurden etwa drei Kameras gleichzeitig eingesetzt, bei aufwendigeren Szenen konnten es bis zu sechs Kameras sein.
”Technisch wurde die Serie in 4K mit Sony-PMW-F55-Kameras und Panavision-Objektiven produziert”
- Das erklärt für mich teilweise auch den filmischen Eindruck der Serie.
- The Blacklist sieht nicht wie eine billig produzierte reine Studio-Krimiserie aus.
- Die Serie arbeitet mit realen Außenaufnahmen, wechselnden Schauplätzen, Fahrzeugen, Waffen, Actionsequenzen, aufwendigen Innenräumen und internationalen Handlungsorten.
- Die Kameraarbeit unterstützt dabei das Tempo der Serie.
- Und dieses Tempo ist wichtig.
- The Blacklist muss gleichzeitig Ermittlungen, Dialoge, Action und die große Mythologie erzählen.
“Die Produktionskosten”
- Besonders beeindruckend finde ich die Zahlen, die sich für die frühe Produktionsphase finden lassen.
- Für die sogenannten „Back Nine“, also neun zusätzliche Episoden der ersten Staffel, existiert ein öffentlich zugängliches Produktionsbudget-Dokument aus dem Jahr 2014.
- Darin wird ein Gesamtbudget von 4.288.444 US-Dollar ausgewiesen.
- Nach den im Dokument berücksichtigten New-York-Produktions-Gutschriften wird ein Nettobetrag von rund 3,44 Millionen US-Dollar ausgewiesen.
”Und genau an dieser Stelle muss ich selbst zweimal hinschauen”
- Mehr als vier Millionen Dollar für neun zusätzliche Episoden.
- Das ist eine Größenordnung, die einem erst einmal bewusst machen muss, was hinter einer solchen Produktion steckt.
- Das Budget umfasst nicht einfach Schauspieler.
- Darin stecken unter anderem Drehbuch und Autoren, Produktionspersonal, Ausstattung, Sets, Drehorte, Kamera, Beleuchtung, Fahrzeuge, Transport, Kostüme, Maske, Spezialeffekte, Schnitt, Musik, Ton und weitere Produktionskosten.
”Eine Gesamtzahl für alle 218 Episoden kann daraus allerdings nicht seriös berechnet werden”
- Ich würde niemals einfach die 4,288 Millionen Dollar mit 218 Episoden multiplizieren.
- Die Produktionskosten verändern sich über die Jahre.
- Verträge verändern sich.
- Besetzung und Produktionsumfang verändern sich.
- Auch technische und wirtschaftliche Bedingungen verändern sich.
- “Deshalb bleibt für mich die saubere Aussage”
- Für neun zusätzliche Episoden der ersten Staffel ist ein Produktionsbudget von rund 4,29 Millionen US-Dollar dokumentiert.
- Das allein zeigt bereits die Größenordnung dieser Produktion.
“Die Musik”
- Auch die Musik gehört für mich unbedingt in die Gesamtanalyse.
- Dave Porter war über einen großen Teil der Serie für die Musik verantwortlich.
- Seine Arbeit trägt wesentlich dazu bei, die Atmosphäre von The Blacklist aufzubauen.
- Die Musik muss dabei unterschiedliche Welten bedienen.
- Spannung.
- Action.
- Reddingtons besondere Atmosphäre.
- Emotionale Szenen.
- Trauer.
- Gefahr.
- Und immer wieder die großen Momente zwischen den Hauptfiguren.
- Gerade bei einer Serie, die so stark über Atmosphäre arbeitet, ist Musik deshalb ein wichtiger Bestandteil der Erzählung.
“Die Entwicklung über zehn Staffeln”
- Die erste Staffel ist für mich die Einführung in die Welt.
- Reddington stellt sich.
- Elizabeth wird mit ihm verbunden.
- Die Task Force entsteht.
- Tom wird als Geheimnis eingeführt.
- Die Blacklister bilden die einzelnen Fälle.
- Doch bereits hier beginnt die größere Geschichte.
- Die zweite Staffel erweitert die Beziehungen und führt die Verschwörung weiter.
- Die dritte Staffel verändert die Position von Elizabeth und Reddington deutlich.
- Die vierte Staffel führt die Familiengeschichte noch tiefer.
- Die fünfte Staffel verändert erneut die Bedeutung von Reddingtons Vergangenheit.
- Die sechste Staffel beschäftigt sich noch stärker mit seiner Identität.
- Die siebte Staffel verschärft den Konflikt um Katarina Rostova.
- Die achte Staffel bringt schließlich einen der größten Einschnitte der Serie.
- Elizabeth Keen stirbt.
- Elizabeths Tod
“Elizabeths Tod ist für mich der größte Bruchpunkt der gesamten Serie”
- Über Jahre war die Beziehung zwischen Reddington und Elizabeth das emotionale Zentrum.
- Reddington wollte Elizabeth schützen.
- Elizabeth wollte die Wahrheit über Reddington erfahren.
- Beide liebten sich auf ihre Weise.
- Beide misstrauten einander.
- Beide verletzten einander.
- Und beide waren voneinander abhängig.
- Mit Elizabeths Tod verliert die Serie deshalb nicht einfach eine Hauptfigur.
- Sie verliert ihren ursprünglichen Mittelpunkt.
“Die neunte Staffel beschäftigt sich mit den Folgen”
- Reddington ist verändert.
- Ressler ist verändert.
- Cooper ist verändert.
- Dembe ist verändert.
- Die gesamte Task Force muss sich neu orientieren.
- Und genau deshalb fühlt sich die Serie ab diesem Punkt anders an.
“Die zehnte Staffel”
- Die zehnte Staffel ist schließlich der Abschied von Raymond Reddington.
- Sony beschreibt die Ausgangssituation dieser letzten Phase ausdrücklich damit, dass Reddington und die FBI-Task-Force nach Elizabeths Tod auseinandergegangen sind und später wieder zusammenfinden.
- Gleichzeitig wird Reddington selbst zunehmend zum Ziel ehemaliger Blacklister.
”Die Serie kehrt damit teilweise zu ihrem ursprünglichen Konzept zurück”
- Reddington.
- Das FBI.
- Die Blacklister.
- Doch diesmal wissen wir als Zuschauer, dass es keine elfte Staffel mehr geben wird.
- Das verändert die Wirkung jeder Szene.
- Jeder Dialog bekommt eine andere Bedeutung.
- Jede Begegnung kann die letzte sein.
- Und schließlich führt die Geschichte Reddington nach Spanien.
“Das Ende von Raymond Reddington”
- Das Finale ist für mich einer der ungewöhnlichsten Abschiede einer Hauptfigur, die ich in einer lang laufenden Serie gesehen habe.
- Reddington flieht nach Spanien.
- Ressler verfolgt ihn.
- Doch statt eines klassischen finalen Showdowns bekommt die Geschichte eine völlig andere Richtung.
- Reddington trifft auf einen Stier.
- Und dieser Stier wird sein Tod.
- Das ist zunächst beinahe absurd.
- Nach zehn Staffeln voller Terroristen, Killer, Geheimdienste, Waffen, Schießereien und internationaler Verschwörungen stirbt der Mann, der fast jede Gefahr überlebt hat, durch ein Tier.
“Aber genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen”
- Die Serie hatte diese Idee vorbereitet.
- In der zehnten Staffel erzählt Reddington die Geschichte des spanischen Stierkämpfers Manolete, der von einem Stier tödlich verletzt wurde.
- Im Finale wird daraus eine direkte thematische Verbindung zu Reddingtons eigenem Ende.
- Auch die spanische Umgebung und die Musik verstärken diesen Abschiedscharakter.
- Reddington stirbt also nicht bei einem letzten Feuergefecht.
- Er wird nicht vom FBI erschossen.
- Er wird nicht von Ressler getötet.
- Er wird nicht von einem alten Feind beseitigt.
- Er stirbt allein.
- Und für mich ist genau das der eigentliche Punkt dieses Endes.
- Raymond Reddington, der sein ganzes Leben damit verbracht hat, andere Menschen und Situationen zu kontrollieren, kann am Ende die Kontrolle nicht mehr behalten.
“Das Finale in Spanien”
- Das Finale wurde als Doppelabschluss der zehnten Staffel ausgestrahlt.
- Der spanische Schauplatz ist dabei nicht nur Kulisse, sondern Teil der Symbolik des Abschieds.
- Movistar Plus+ berichtete anlässlich der Ausstrahlung ausdrücklich über das Finale und darüber, dass dafür auch in Madrid gedreht wurde.
- Für mich funktioniert Spanien deshalb auch als bewusster Gegenpol zu Washington, da ich selbst viele Jahrzehnte lang in Spanien gelebt und gearbeitet habe.
- Washington steht für FBI, Staat, Geheimdienst, Macht und Kontrolle.
”Spanien steht im Finale für etwas anderes”
- Reddington ist dort weitgehend auf sich allein gestellt.
- Keine Task Force.
- Kein Büro.
- Keine Einsatzbesprechung.
- Keine Blacklist.
- Keine große Verschwörung.
- Nur noch Raymond Reddington.
- Und schließlich der Stier.
- Die Bedeutung des Endes
- Ich glaube, man kann über das Ende sehr lange diskutieren.
”Aber ich würde zwei Dinge voneinander trennen”
Die erste Frage ist:
- Ist der Tod von Reddington überraschend?
- Ja.
Die zweite Frage ist:
- Passt diese Art von Tod zu der Figur?
Für mich lautet die Antwort:
- Er passt zumindest zu einem wichtigen Teil dessen, was die Serie aus Reddington gemacht hat.
- Reddington war immer jemand, der Risiken eingegangen ist.
- Er hat Gefahren gesucht.
- Er hat sich auf Menschen und Situationen eingelassen, die ein normaler Mensch vermieden hätte.
- Und im Finale ist er schließlich nicht vor dem Stier zurückgewichen.
- Dadurch bekommt sein Tod eine gewisse Konsequenz.
- Nicht unbedingt im Sinne eines klassischen Actionfinales.
- Sondern im Sinne eines Mannes, der sein Leben immer nach seinen eigenen Regeln geführt hat.
“Was mir nach fünf Durchgängen besonders auffällt”
- Beim ersten Anschauen habe ich The Blacklist vor allem als Krimiserie erlebt.
- Beim zweiten Durchgang habe ich stärker auf die Beziehungen geachtet.
- Beim dritten Mal fielen mir die Hinweise auf Reddingtons Vergangenheit stärker auf.
- Beim vierten Mal wurde die Entwicklung der Figuren wichtiger.
- Und beim fünften Mal sehe ich die Serie vor allem als großes Puzzle.
- Dabei erkenne ich auch die Schwächen wesentlich deutlicher.
- The Blacklist baut unglaublich viele Geheimnisse auf.
- Das funktioniert hervorragend, solange die Fragen offenbleiben.
- Aber jede zusätzliche Antwort erzeugt gleichzeitig neue Fragen.
- Dadurch wird die Geschichte mit zunehmender Laufzeit komplizierter.
- Die Serie verlangt dem Zuschauer einiges an Geduld ab.
- Und trotzdem funktioniert die Grundidee für mich immer wieder.
- Denn Raymond Reddington bleibt die Figur, wegen der ich zurückkehre.
“Die große Stärke der Nebenfiguren”
- Was ich heute außerdem wesentlich stärker sehe, ist die Bedeutung der Nebenfiguren.
- Mr. Kaplan.
- Tom Keen.
- Dembe.
- Ressler.
- Cooper.
- Aram.
- Samar.
- Fowler.
- Fitch.
- Der Direktor.
- Berlin.
- Marvin Gerard.
- Glen Carter.
- Teddy Brimley.
- Panabaker.
- Hitchin.
- Und viele andere.
”Diese Figuren machen aus der Serie kein einfaches Duell zwischen Reddington und Elizabeth”
- Sie erzeugen ein ganzes Netzwerk.
- Manche helfen Reddington.
- Manche bekämpfen ihn.
- Manche glauben ihm.
- Manche hassen ihn.
- Manche lieben ihn.
- Manche werden von ihm manipuliert.
- Und manche versuchen irgendwann, sich aus seiner Welt zu lösen.
- Genau dieses Netzwerk macht The Blacklist über zehn Staffeln hinweg tragfähig.
“Die Produktionsleistung hinter 218 Episoden”
- Wenn ich am Ende noch einmal auf die gesamte Produktion schaue, beeindruckt mich vor allem die Dimension.
- 218 Episoden bedeuten nicht einfach 218 Geschichten.
- Dahinter stehen Jahre an Drehbucharbeit, Produktion, Regie, Schauspiel, Kamera, Ausstattung, Schnitt, Ton, Musik, Spezialeffekten, Locations und Postproduktion.
”Die technische Seite zeigt ebenfalls, wie umfangreich das Projekt war”
- 4K-Produktion, Sony-PMW-F55-Kameras, Panavision-Objektive, mehrere Kameras und durchschnittlich rund neun Drehtage pro Episode.
- Und dann kommt die wirtschaftliche Seite hinzu.
- Schon die dokumentierten 4,288 Millionen US-Dollar für neun zusätzliche Episoden der ersten Staffel zeigen, dass hier ein erheblicher Produktionsapparat betrieben wurde.
- Deshalb sehe ich The Blacklist heute nicht mehr nur als Fernsehserie.
- Ich sehe sie als zehn Jahre dauerndes Produktionsprojekt.
“Mein persönliches Fazit”
- Nach fünfmaligem Anschauen kann ich The Blacklist nicht mehr einfach als Krimiserie bezeichnen.
- Dafür verändert sich die Serie zu stark.
- Sie beginnt als Crime-Serie.
- Sie entwickelt sich zu einem Agenten- und Spionagethriller.
- Sie wird zu einer Familiengeschichte.
- Sie wird zu einer Geschichte über Identität.
- Und am Ende wird sie zu einer Geschichte über Abschied.
- Im Mittelpunkt steht Raymond Reddington.
”Aber Reddington funktioniert nicht ohne Elizabeth”
- Elizabeth funktioniert nicht ohne Tom.
- Tom funktioniert nicht ohne die größere Geschichte um Katarina.
- Katarina funktioniert nicht ohne die Vergangenheit des ursprünglichen Raymond Reddington.
- Und Reddingtons Geschichte funktioniert wiederum nicht ohne Dembe, Kaplan, Cooper, Ressler und die vielen anderen Menschen, die seinen Weg begleiten.
- Genau deshalb musste diese Analyse für mich größer werden als eine einfache Zusammenfassung der zehn Staffeln.
“Meine Fragen”
- Ich wollte wissen, wie diese Welt entstanden ist.
- Wer sie geschaffen hat.
- Wer sie gespielt hat.
- Wie sie produziert wurde.
- Wo sie gedreht wurde.
- Welche technischen Mittel eingesetzt wurden.
- Welche Kosten zumindest teilweise dokumentiert sind.
- Wie sich die Figuren entwickelt haben.
- Warum die Serie ihre Richtung verändert hat.
”Und schließlich, warum Raymond Reddington am Ende dort landet, wo alles aufhört”
- In Spanien.
- Allein.
- Vor einem Stier.
- Nach zehn Staffeln und 218 Episoden endet damit die Geschichte eines Mannes, der jahrzehntelang dafür gesorgt hat, dass andere Menschen niemals die vollständige Wahrheit über ihn erfahren.
“Und vielleicht ist genau das der letzte große Gedanke von The Blacklist”
- Reddington konnte fast jeden Menschen täuschen.
- Er konnte Geheimdienste manipulieren.
- Er konnte das FBI benutzen.
- Er konnte Identitäten annehmen.
- Er konnte Gegner verschwinden lassen.
- Er konnte immer wieder entkommen.
- Aber vor dem Ende konnte auch Raymond Reddington nicht entkommen.
- Und genau deshalb bleibt The Blacklist für mich eine Serie, die ich nach fünf Durchgängen noch immer nicht einfach beiseitelegen kann.







Nutzer heute : 212
Nutzer gestern : 152
Diesen Monat : 364
Dieses Jahr : 364
Gesamtzahl der Nutzer : 364
Ansichten heute : 536
Gesamtaufrufe : 891
Wer ist online? : 5