Eine ungewöhnliche polnische Netflix-Serie!
„Sexify“ ist eine polnische Netflix-Serie, die 2021 mit der ersten Staffel startete und 2023 mit einer zweiten Staffel fortgesetzt wurde„
- Insgesamt umfasst die Serie zwei Staffeln mit 16 Folgen.
- Netflix ordnet „Sexify“ als Comedy beziehungsweise Dramedy ein und beschreibt die Ausgangssituation als Geschichte einer sexuell unerfahrenen Informatikstudentin, die gemeinsam mit ihren Freundinnen eine innovative Sex-App entwickeln möchte.
- Produziert wurde die Serie von Akson Studio für Netflix.
- Schon die Grundidee ist ungewöhnlich.
- Natalia Dumała verfügt über technisches Wissen und Programmierfähigkeiten, hat aber zunächst kaum praktische Erfahrungen mit Sexualität.
- Genau aus diesem Gegensatz entsteht die eigentliche Geschichte.
- Sie möchte ein technisches Problem lösen und landet dadurch in einer Welt, die sie zunächst überhaupt nicht versteht.
- Aus einem Universitätsprojekt entwickelt sich eine Reise durch Sexualität, Freundschaft, Beziehungen, Selbstfindung, Geld, Technik und schließlich die reale Startup-Welt.
„Natalia Dumała – Technik trifft auf Neugier“
- Natalia, gespielt von Aleksandra Skraba, ist das Zentrum der Serie.
- Sie ist intelligent, technisch versiert, ehrgeizig und teilweise ausgesprochen unbeholfen, wenn es um zwischenmenschliche und sexuelle Erfahrungen geht. Gerade diese Kombination macht die Figur so interessant.
- Natalia versucht, Sexualität wie ein technisches Problem zu behandeln.
- Sie sammelt Daten, entwickelt Messmethoden, experimentiert mit Sensoren und versucht, körperliche Reaktionen wissenschaftlich zu erfassen.
- Das führt immer wieder zu Situationen, die eigentlich wissenschaftlich gemeint sind, durch ihre Umgebung aber zur Comedy werden.
- Besonders typisch ist, dass Natalia ihre eigenen Messungen am eigenen Körper ausprobiert und dabei beispielsweise durch Geräusche von außen aus dem Konzept gebracht wird.
- Die Serie macht daraus keinen nüchternen Forschungsprozess, sondern verbindet Wissenschaft mit Peinlichkeit und Alltag.
- Auch außerhalb ihres Projektes bleibt Natalia eine Figur, die ständig versucht, Probleme logisch zu lösen.
- Genau deshalb wirken alltägliche Situationen besonders komisch:
- Wenn sie während der Autofahrt auf ihr klingelndes Handy schaut und prompt von der Polizei angehalten wird, ist das keine große dramaturgische Wendung.
- Es ist schlicht eine kleine Alltagspanne – und gerade solche Situationen machen die Figuren menschlich.
„Paulina Malinowska – zwischen Beziehung und Selbstfindung“
- Paulina wird von Maria Sobocińska gespielt.
- Sie unterscheidet sich deutlich von Natalia.
- Während Natalia die Welt zunächst über Technik und Daten betrachtet, bringt Paulina stärker die emotionale und zwischenmenschliche Ebene in das Trio.
- Ihre Beziehung zu Mariusz und die Entwicklung ihres Privatlebens werden in der zweiten Staffel zunehmend wichtig.
- Paulina beschäftigt sich nicht nur mit der Sexualität anderer Menschen, sondern beginnt gleichzeitig, ihre eigenen Vorstellungen von Beziehungen und Sexualität zu hinterfragen.
- Dadurch bekommt ihre Figur in Staffel 2 mehr Eigenständigkeit.
- Die Serie macht aus ihr nicht einfach die Freundin von jemandem, sondern eine junge Frau, die ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen entdecken muss.
„Monika Nowicka – Freiheit, Sexualität und Geld“
- Sandra Drzymalska spielt Monika.
- Von den drei Hauptfiguren ist sie wahrscheinlich diejenige, die am offensten mit Sexualität umgeht.
- Monika besitzt eine enorme Selbstsicherheit und scheut sich kaum, über sexuelle Erfahrungen zu sprechen.
- Gerade deshalb entstehen einige der auffälligsten Comedy-Momente der Serie.
- Eine besonders typische Situation ist ihre Unterhaltung mit Natalia, während sie sich gleichzeitig mit ihrem Lebensgefährten auf einer Toilette befindet.
- Die Serie macht aus dieser Gleichzeitigkeit keinen großen dramatischen Moment, sondern behandelt sie fast beiläufig.
- Monikas Entwicklung geht in Staffel 2 aber deutlich über Sexualität hinaus.
- Jetzt werden Geld, Unternehmensführung und finanzielle Unabhängigkeit immer wichtiger.
- Ihr Verhältnis zu ihrem wohlhabenden Vater Marek wird dadurch zu einem zentralen Bestandteil ihrer persönlichen Entwicklung.
„Mariusz – Beziehung, Trennung und neue Lebenswege“
- Mariusz wird von Piotr Pacek gespielt.
- Seine Beziehung zu Paulina ist zunächst ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens.
- In Staffel 2 verändert sich dieses Verhältnis und wird zu einem Teil von Paulinas persönlicher Neuorientierung.
- Interessant ist dabei, dass die Männer in Staffel 2 nicht mehr nur als Partner der drei Hauptfiguren funktionieren.
- Sie werden zunehmend eigenständige Figuren mit eigenen Problemen, Unsicherheiten und Entwicklungen.
„Adam – die persönliche Krise“
- Adam wird von Jan Wieteska gespielt und ist Liliths Bruder.
- Auch er bekommt in Staffel 2 eine deutlich größere Bedeutung.
- Seine persönliche Krise und seine Probleme mit Sexualität bilden einen wichtigen Gegenpol zu Natalias technisch-wissenschaftlicher Herangehensweise.
- Gerade hier zeigt sich eine Stärke der zweiten Staffel:
- Sexualität wird nicht ausschließlich als lustiges oder aufregendes Thema behandelt.
- Es geht auch um Unsicherheit, Leistungsdruck, Erwartungen und die Frage, wie Menschen mit Problemen umgehen, über die sie nur schwer sprechen können.
„Rafał – vom Rivalen zum Verbündeten“
- Rafał „Kripol“ Paluch wird von Kamil Wodka gespielt.
- In der ersten Staffel ist er vor allem der technisch versierte und teilweise arrogante Rivale aus dem universitären Umfeld.
- In Staffel 2 verändert sich seine Funktion. Mit „Sexiguy“ entsteht ein Konkurrenzprojekt, und Rafał muss feststellen, dass die reale Technologie- und Startup-Welt wesentlich komplizierter ist als ein studentischer Wettbewerb.
- Damit erhält seine Figur eine interessante Entwicklung.
- Aus einem Gegenspieler wird zunehmend jemand, mit dem die drei Frauen zusammenarbeiten müssen.
- Die Grenzen zwischen Konkurrenz und Zusammenarbeit verschwimmen.
„Jabba – der exzentrische Informatiker“
- Sebastian Stankiewicz spielt Jabba, den exzentrischen IT-Spezialisten.
- Die deutsche Stimme stammt von Tim Sander.
- Die Figur bringt einen zusätzlichen technischen und zugleich komödiantischen Aspekt in die Serie.
- Jabba ist deshalb interessant, weil er die Welt der Informatik weniger akademisch und wesentlich eigenwilliger verkörpert.
- Er gehört zu den Figuren, die zeigen, dass „Sexify“ Technik nicht nur als abstrakte Programmierarbeit versteht, sondern als soziale Welt mit ihren eigenen Typen, Eigenheiten und Konflikten.
„Marek Nowicki – Geld, Macht und Familie“
- Cezary Pazura spielt Marek Nowicki, Monikas wohlhabenden Vater.
- Die deutsche Stimme ist Sven Gerhardt.
- Marek ist eine wichtige Hintergrundfigur, weil er für etwas steht, das den drei jungen Frauen zunächst weitgehend fehlt:
- Kapital, wirtschaftliche Erfahrung und Macht.
- Gerade Monikas Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit macht diese Beziehung interessant.
- Sie möchte nicht einfach die Tochter eines reichen Mannes sein, sondern ihre eigene Position aufbauen.
- Gleichzeitig zeigt die Serie, dass wirtschaftliche Unabhängigkeit komplizierter ist als ein bloßer Wunsch.
- Sobald ein Startup Geld benötigt, entstehen Abhängigkeiten, Interessen und Machtverhältnisse.
„Sexualität als Comedy“
- Sexualität ist natürlich das zentrale Thema von „Sexify“.
- Entscheidend ist aber, wie die Serie damit umgeht.
- Sie versucht nicht, Sexualität ausschließlich ernst, romantisch oder dramatisch darzustellen.
- Stattdessen wird sie häufig mit Peinlichkeit, Übertreibung und Alltagshumor verbunden.
- Da sitzt Natalia mit Sensoren im Bett, versucht wissenschaftliche Daten zu gewinnen und wird von einem Geräusch erschreckt.
- Monika telefoniert während einer intimen Situation mit Natalia.
- Ein Vater bringt einen ungeöffneten Laptop in einen Computerladen, weil sein Sohn angeblich Dinge aus dem Internet heruntergeladen hat – und die vermeintliche Aufklärung über einen Jugendlichen endet mit der Pointe, dass der Sohn erst vier Jahre alt ist.
- Solche Szenen zeigen das Grundprinzip der Serie:
- Sexualität wird ständig mit völlig normalen Alltagssituationen zusammengeschoben.
„Sexualität und Wissenschaft“
- Besonders originell ist der Versuch der Serie, Sexualität mit Informatik und wissenschaftlicher Datenerfassung zu verbinden.
- Natalia betrachtet Sexualität zunächst wie ein Forschungsproblem.
- Sie möchte messen, analysieren, vergleichen und daraus einen Algorithmus entwickeln.
- Das ist natürlich bewusst überzeichnet. „Sexify“ behauptet damit nicht wissenschaftlich, dass sich Sexualität vollständig mathematisch berechnen lässt.
- Vielmehr entsteht eine satirische Vorstellung davon, was passieren könnte, wenn eine technisch denkende junge Frau versucht, ein zutiefst menschliches und individuelles Thema mit Algorithmen zu erfassen.
- Gerade aus diesem Widerspruch gewinnt die Serie einen großen Teil ihres Humors.
„Das Verhältnis von Technik und Sexualität“
- Computer, Apps, Sensoren, Daten und Algorithmen bilden das technische Rückgrat der Handlung.
- Die Sexualität liefert dagegen das menschliche Material.
- Diese Kombination ist ungewöhnlich.
- Die Serie verbindet damit zwei Welten, die normalerweise in unterschiedlichen Genres behandelt werden:
- Technologie und Sexualität.
- Aus der Perspektive von Natalia ist die Verbindung zunächst logisch.
- Wenn etwas beobachtet und gemessen werden kann, müsste es theoretisch auch technisch analysiert werden können.
- Die Serie zeigt jedoch immer wieder, dass der Mensch komplizierter ist als ein Algorithmus.
„Der Computerladen und der ganz normale Wahnsinn“
- Eine meiner interessantesten Beobachtungen beim Anschauen war die Szene mit dem Vater, der einen ungeöffneten Laptop in den Computerladen bringt.
- Er ist sichtbar verunsichert und versucht, Natalia vorsichtig zu erklären, dass sein Sohn etwas aus dem Internet heruntergeladen habe.
- Der Kollege erkennt sofort, dass es um Pornografie geht.
- Der Vater bestätigt dies – und dann kommt die Pointe:
- Sein Sohn ist gerade einmal vier Jahre alt.
- Diese Szene ist für mich exemplarisch für den Humor von „Sexify“.
- Die Serie baut eine Erwartung auf, lässt den Zuschauer glauben, es gehe um das typische Problem eines Jugendlichen und zerstört diese Erwartung mit einem einzigen Satz.
- Gleichzeitig verbindet die Szene wieder Technik und Sexualität:
- Computer, Internet und Sexualität werden unmittelbar miteinander verknüpft.
„Alltag statt Dauerdrama“
- „Sexify“ funktioniert auch deshalb so gut, weil die Serie nicht jede Szene zum großen Ereignis macht.
- Immer wieder passieren kleine Dinge, die genauso aus dem wirklichen Alltag stammen könnten.
- Ein Handy klingelt im falschen Moment.
- Jemand wird von der Polizei angehalten.
- Geld reicht nicht.
- Eltern mischen sich ein.
- Ein Computer funktioniert nicht.
- Eine Unterhaltung wird durch eine sexuelle Situation unterbrochen.
- Ein berufliches Problem entsteht aus einer privaten Entscheidung.
- Diese kleinen Alltagssituationen verhindern, dass die Serie wie ein künstlich konstruiertes Startup-Märchen wirkt.
„Die drei Freundinnen“
- Das eigentliche Herz der Serie ist für mich nicht die App, sondern die Freundschaft zwischen Natalia, Paulina und Monika.
- Die drei Frauen sind extrem unterschiedlich.
- Natalia ist technisch und analytisch, Paulina stärker emotional und beziehungsorientiert, Monika selbstbewusst, spontan und sexuell sehr offen.
- Gerade diese Unterschiede machen die Zusammenarbeit überhaupt erst möglich.
- Keine der drei könnte das Projekt allein in dieser Form verwirklichen.
- Gleichzeitig führen die unterschiedlichen Persönlichkeiten immer wieder zu Konflikten.
- Die Freundschaft wird dadurch nicht idealisiert.
- Sie wird belastet, auseinandergerissen und später wieder neu zusammengesetzt.
„Staffel 1 – die Geburt der Idee“
- Die erste Staffel konzentriert sich stärker auf die Entstehung der Idee.
- Natalia möchte einen Technik-Wettbewerb gewinnen und entwickelt gemeinsam mit Paulina und Monika die Idee einer App rund um weibliche Sexualität.
- Dabei müssen die drei Freundinnen zunächst überhaupt verstehen, was sie eigentlich erforschen wollen.
- Der Weg dorthin führt über Gespräche, Experimente, Beziehungen, eigene sexuelle Erfahrungen und immer neue Situationen, die für Natalia zunächst ungewohnt sind.
- Der universitäre Wettbewerb gibt der ersten Staffel dabei eine klare dramaturgische Richtung.
„Der universitäre Wettbewerb“
- Die Universität bildet in Staffel 1 den Ausgangspunkt des Projektes.
- Konkurrenz, akademische Anerkennung und technisches Können sind die entscheidenden Faktoren.
- Rafał verkörpert dabei den klassischen technischen Rivalen.
- Natalia muss sich nicht nur mit dem eigentlichen Problem beschäftigen, sondern auch beweisen, dass ihre Idee technisch und praktisch funktionieren kann.
- Dadurch bekommt die Serie neben der Comedy eine klassische Wettbewerbsgeschichte.
„Staffel 2 – aus dem Projekt wird ein Unternehmen“
- In der zweiten Staffel verändert sich die gesamte Größenordnung.
- Aus einem studentischen Projekt wird ein echtes Geschäftsmodell.
- Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, ob eine App technisch funktioniert.
- Es geht um Geld, Investoren, Marktchancen, Nutzer, Unternehmensführung, Konkurrenz und wirtschaftlichen Druck.
- Netflix beschreibt bereits die ersten Folgen der zweiten Staffel entsprechend als Phase, in der die Gründerinnen mit Problemen rund um den Start der App und mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert werden.
- Das ist für mich der wichtigste strukturelle Unterschied zwischen den beiden Staffeln.
„Die neue Dynamik der Männer“
- Auch die männlichen Figuren verändern ihre Funktion.
- Adam befindet sich in einer persönlichen Krise.
- Mariusz wird wieder für Paulinas Geschichte relevant.
- Rafał wandelt sich vom Rivalen zum möglichen Partner im technischen Projekt.
- Jabba wird als technischer Spezialist wichtiger.
- Marek steht für Kapital und wirtschaftliche Macht.
- Damit verändert sich die Dynamik deutlich.
- Die Männer sind nicht mehr einfach nur Partner, Freunde oder Gegenspieler der drei Frauen.
- Sie werden Teil eines komplexeren Netzwerkes aus Beziehungen, Technik, Geld und Macht.
„Sexiguy und die Konkurrenz“
- Mit Sexiguy bekommt Staffel 2 eine besonders interessante Erweiterung.
- Plötzlich wird die Perspektive umgedreht:
- Es geht nicht mehr ausschließlich um weibliche Sexualität, sondern auch um männliche Wünsche und Unsicherheiten.
- Dabei entsteht eine weitere interessante Beobachtung der Serie:
- Männer behaupten in Befragungen teilweise Dinge über ihre sexuelle Erfahrung, die nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen.
- Die Serie macht daraus Comedy, spricht damit aber gleichzeitig ein reales gesellschaftliches Thema an:
- Unsicherheit und Gruppendruck können dazu führen, dass Menschen nicht offen über Sexualität sprechen.
„Die Startup-Welt“
- Staffel 2 zeigt außerdem, dass eine gute technische Idee noch lange kein erfolgreiches Unternehmen bedeutet.
- Finanzierung, Unternehmensführung, Investoren, Konkurrenz, Zeitdruck und Marktinteressen verändern das Spiel vollständig.
- Genau hier muss auch Rafał dazulernen.
- Der ehemalige studentische Rivale kommt mit der Realität eines echten Geschäftsmodells in Berührung.
- Auch Monika erlebt diese Entwicklung.
- Ihr Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit kollidiert zunehmend mit der Frage, wie viel Kontrolle sie tatsächlich über ihr Unternehmen behalten kann.
„Monikas Verhältnis zu ihrem Vater“
- Die Beziehung zwischen Monika und Marek wird dadurch zu einem der interessanteren Familienkonflikte der zweiten Staffel.
- Monika möchte unabhängig sein.
- Marek besitzt dagegen die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die ihr fehlen.
- Das erzeugt einen klassischen Konflikt zwischen Selbstständigkeit und Abhängigkeit.
- Geld kann helfen – gleichzeitig kann es aber auch Kontrolle erzeugen.
- Die Serie löst diesen Konflikt nicht einfach auf, sondern lässt Monika lernen, dass wirtschaftliche Selbstständigkeit und familiäre Unterstützung durchaus nebeneinander existieren können.
„Die persönliche Entwicklung der drei Hauptfiguren“
- Die große Entwicklung der Serie besteht für mich darin, dass die drei Frauen am Ende nicht mehr dieselben Personen sind wie am Anfang.
- Natalia lernt, dass sich Menschen nicht vollständig über Daten und Algorithmen erklären lassen.
- Paulina lernt mehr über ihre eigenen Wünsche, Beziehungen und Grenzen.
- Monika lernt, dass Unabhängigkeit nicht nur bedeutet, niemanden um Geld zu bitten, sondern auch Verantwortung für Entscheidungen und Konsequenzen zu übernehmen.
- Damit ist „Sexify“ trotz aller sexuellen Comedy letztlich auch eine Coming-of-Age-Geschichte.
„Familie“
- Neben den drei Freundinnen spielen auch die Eltern eine wichtige Rolle.
- Natalias Mutter ist dafür ein gutes Beispiel.
- In einer Szene bietet sie Natalia sogar eine Kreditkarte an, damit sie einen Monat lang ihre laufenden Kosten bezahlen kann.
- Natalia lehnt ab.
- Die anschließende Bemerkung der Mutter über die „Muttermilch“ ist typisch für den Humor der Serie und zeigt gleichzeitig die familiäre Beziehung zwischen beiden.
- Solche Szenen machen deutlich, dass die Serie nicht nur aus Universität, Sex und Startup besteht.
- Familie bleibt ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung.
„Sexualität im Fernsehen – eine persönliche Betrachtung“
- Beim Anschauen musste ich natürlich auch an meine eigene Jugendzeit denken.
- Wenn es damals bereits eine Serie wie „Sexify“ im Fernsehen gegeben hätte, wäre vermutlich manches offener und selbstverständlicher behandelt worden.
- Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich damals mit meiner Partnerin oder meiner späteren Ehefrau häufiger gemeinsam solche Szenen angeschaut hätte – vielleicht auch nicht ausschließlich zum Anschauen.
- Das ist selbstverständlich meine persönliche, humorvolle Rückschau und keine wissenschaftliche Aussage darüber, ob eine Fernsehserie tatsächlich die Geburtenrate beeinflussen würde.
- Interessant ist vielmehr der gesellschaftliche Wandel. Was früher im Fernsehen häufig nur angedeutet wurde, wird in „Sexify“ offen, direkt und teilweise hemmungslos komisch behandelt.
„Die polnische Perspektive“
- „Sexify“ ist ausdrücklich eine polnische Serie.
- Dadurch besitzt sie auch eine eigene kulturelle Atmosphäre.
- Ich selbst habe durch meine lange Verbindung zu Spanien und durch persönliche Kontakte zu Menschen aus Polen natürlich eine eigene Perspektive auf unterschiedliche gesellschaftliche Umgangsformen.
- Dabei sollte man aber vorsichtig sein, persönliche Beobachtungen nicht als allgemeine Aussagen über eine ganze Nation zu behandeln.
- Interessant ist vielmehr, dass „Sexify“ Sexualität innerhalb des polnischen Alltags sehr offen und teilweise provokant darstellt.
- Genau das macht die Serie auch für ein internationales Publikum interessant.
„Comedy und Grenzüberschreitung“
- Die Serie lebt davon, dass sie immer wieder eine Grenze überschreitet, die andere Serien eher vorsichtig behandeln würden.
- Dabei geht es nicht nur um nackte Sexualität.
- Der eigentliche Humor entsteht häufig dadurch, dass intime Situationen mit vollkommen normalen Tätigkeiten kollidieren.
- Telefonieren, Autofahren, Arbeiten, Studieren, Programmieren, Einkaufen oder ein Gespräch mit den Eltern laufen plötzlich parallel zu einer sexuellen Situation.
- Diese Gleichzeitigkeit ist eines der wichtigsten Stilmittel der Serie.
„Kamera und Bildgestaltung“
- Auch technisch entwickelt sich „Sexify“ deutlich über eine einfache Comedyproduktion hinaus.
- Für die erste Staffel wird Mikołaj Łebkowski als Kameramann geführt.
- Für die zweite Staffel übernahm Nils Croné die Bildgestaltung als Director of Photography.
- Croné führt „Sexify 2“ selbst als Netflix-Originalserie von Akson Studio.
- Die zweite Staffel besitzt dadurch auch eine eigenständige visuelle Handschrift.
- Neben den Figuren spielen Räume, Farben, Ausstattung und die technische Umgebung eine wichtige Rolle.
- Konkrete Kameramodelle sind in den öffentlich zugänglichen Produktionsangaben, die ich geprüft habe, nicht zuverlässig dokumentiert.
- Deshalb würde ich hier bewusst keine bestimmte Kamera nennen, nur um die technische Analyse künstlich zu vervollständigen.
„Schnitt und Tempo“
- Der Schnitt unterstützt den Comedy-Charakter erheblich.
- Viele Szenen funktionieren über Vorbereitung und Pointe.
- Die Kamera bleibt lange genug bei einer Situation, damit der Zuschauer eine bestimmte Erwartung entwickelt.
- Dann kommt ein kurzer Satz oder eine unerwartete Reaktion und verändert die Bedeutung.
- Gerade bei den vielen sexuellen Situationen ist dieses Timing entscheidend.
- Ohne präzisen Schnitt würden manche Szenen lediglich provokant wirken.
- Durch das Timing werden sie komisch.
„Musik und Ton“
- Die Musik stammt von Radzimir Dębski, der unter dem Künstlernamen JIMEK bekannt ist.
- Er gehört damit zu den wichtigen kreativen Kräften hinter der akustischen Identität der Serie.
- Die Musik unterstützt dabei nicht nur romantische oder emotionale Momente.
- Sie hilft auch, den modernen, jungen und teilweise chaotischen Charakter der Serie zu transportieren.
- Ebenso wichtig sind Geräusche.
- Gerade die von mir beim Anschauen beobachteten Situationen mit Geräuschen aus Nachbarräumen zeigen, wie stark „Sexify“ mit Ton als Comedyinstrument arbeitet.
„Szenenbild und Ausstattung“
- Die technische Welt der Serie muss glaubwürdig aussehen: Computer, Smartphones, Labore, Universitätsräume, Büros und später die Startup-Umgebung.
- In Staffel 2 wird diese Welt deutlich professioneller.
- Das passt zur Entwicklung der Handlung vom Studentenprojekt zum Unternehmen.
- Für die zweite Staffel wird Mirosław Koncewicz als Production Designer geführt:
- Zofia Lubińska war für die Set Decoration verantwortlich.
- Auch Kostüm, Maske und Ausstattung wurden als eigene Produktionsbereiche besetzt.
„Die deutsche Synchronisation“
- Für deutsche Zuschauer ist die Synchronisation ein wichtiger Bestandteil des Serienerlebnisses.
- Natalia wird von Luisa Wietzorek gesprochen, Paulina von Leonie Dubuc und Monika von Lea Kalbhenn.
- Mariusz wird von Nicolás Artajo, Rafał von Max Felder, Jabba von Tim Sander, Adam von Marco Eßer und Marek von Sven Gerhardt gesprochen.
- Die deutsche Synchronisation entstand bei Eclair Studios Germany in Berlin.
- Für Staffel 1 stammen Dialogbuch und Dialogregie von Pierre Peters-Arnolds.
- In Staffel 2 wurden die Dialogbücher aufgeteilt:
- Annemarie Vogel übernahm die Episoden 1 bis 4, Sandra Keding die Episoden 5 bis 8:
- Tim Sander führte bei Staffel 2 Dialogregie.
- Damit ist die deutsche Fassung keineswegs nur eine technische Übertragung.
- Gerade bei einer Comedyserie ist die sprachliche Umsetzung entscheidend für das Timing und die Wirkung der Pointen.
„Produktion und Produktionskosten“
- Produziert wurde „Sexify“ von Akson Studio für Netflix.
- Die erste Staffel wurde bei Akson Studio mit 14,34 Millionen polnischen Złoty bewertet.
- Für die damals laufenden beziehungsweise in Entwicklung befindlichen Produktionen weist ein Bericht außerdem 20,74 Millionen Złoty an zeitlich abgegrenzten Produktionskosten für „Sexify“ aus.
- Diese Angaben stammen aus der Unternehmensberichterstattung beziehungsweise deren Auswertung und sollten deshalb nicht einfach mit einem offiziellen Netflix-Gesamtbudget für alle 16 Folgen gleichgesetzt werden.
- Gerade dieser Punkt ist wichtig:
- Ein öffentlich auffindbarer Produktionskostenwert ist nicht automatisch identisch mit dem vollständigen Netflix-Budget der gesamten Serie.
„Die Produktionsleistung hinter der Serie“
- Hinter den sichtbaren Schauspielern steht eine große Produktionsmannschaft aus Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Szenenbild, Kostüm, Maske, Casting, Ton und Produktion.
- Bei Staffel 2 sind unter anderem Kalina Alabrudzińska als Regisseurin, Nils Croné als Director of Photography, Magdalena Chowańska als Editor, Paulina Krajnik als Casting Director und Mirosław Koncewicz als Production Designer dokumentiert.
- Gerade diese vielen Gewerke erklären, warum die Serie trotz ihrer teilweise absurden Handlung technisch wesentlich aufwendiger ist, als man es beim ersten Anschauen vielleicht vermuten würde.
„Warum die zweite Staffel anders wirkt“
- Für mich liegt der wichtigste Unterschied zwischen den Staffeln darin, dass Staffel 1 stärker von der Entdeckung geprägt ist, während Staffel 2 von Konsequenzen geprägt wird.
- In Staffel 1 entdecken die drei Frauen Sexualität und entwickeln eine Idee.
- In Staffel 2 müssen sie mit den Folgen dieser Idee leben.
- Jetzt kommen Geld, Konkurrenz, Unternehmensführung, Investoren, Marktinteressen und persönliche Krisen hinzu.
- Dadurch wird die Serie erwachsener, ohne ihren Comedy-Charakter aufzugeben.
„Die Serie als Spiegel von Beziehungen“
- Unter der ganzen Sexualität steckt eine Serie über Beziehungen.
- Natalia muss lernen, dass Menschen nicht programmierbar sind.
- Paulina muss lernen, dass eine Beziehung nicht automatisch bedeutet, dass man sich selbst vollständig kennt.
- Monika muss lernen, dass Freiheit nicht bedeutet, keine Verantwortung zu haben.
- Adam, Mariusz, Rafał und die anderen Männer spiegeln diese unterschiedlichen Probleme jeweils auf ihre eigene Weise.
„Sexualität ist nicht das einzige Thema“
- Wer „Sexify“ nur als Serie über Sex betrachtet, unterschätzt einen großen Teil der Geschichte.
- Die Serie handelt ebenso von Freundschaft, Selbstbestimmung, Erwachsenwerden, Studium, Technologie, Geld, Unternehmensgründung, Familie, Konkurrenz und persönlicher Identität.
- Sexualität ist dabei das verbindende Thema, über das diese unterschiedlichen Bereiche miteinander verbunden werden.
„Die besondere Stärke des Humors“
- Ich finde gerade die völlige Selbstverständlichkeit bemerkenswert, mit der die Serie sexuelle Situationen in den Alltag integriert.
- Eine Person kann gerade Sex haben und gleichzeitig telefonieren.
- Jemand kann mit Sensoren am Körper versuchen, wissenschaftliche Daten zu gewinnen und wenige Sekunden später von einem Geräusch erschreckt werden.
- Ein Computerproblem kann plötzlich zu einer Diskussion über Pornografie führen.
- Ein Gespräch über Geld kann unmittelbar in eine familiäre Auseinandersetzung über Selbstständigkeit übergehen.
- Diese Kombination aus Intimität und Alltag ist das eigentliche Comedyprinzip der Serie.
„Die Grenzen der Serie“
- Natürlich funktioniert dieses Konzept nicht für jeden Zuschauer.
- Die Serie ist teilweise sehr direkt, teilweise bewusst übertrieben und setzt voraus, dass man mit sexuellen Themen relativ offen umgehen kann.
- Manche Situationen wirken deshalb absichtlich absurd.
- Wissenschaftliche Aussagen werden teilweise zugespitzt, Figuren überzeichnen bestimmte Verhaltensweisen und sexuelle Situationen werden immer wieder zur Pointe.
- „Sexify“ möchte deshalb nicht wie eine wissenschaftliche Dokumentation betrachtet werden.
- Es ist eine Comedy-Dramedy, die wissenschaftliche und gesellschaftliche Themen als Ausgangspunkt für Unterhaltung verwendet.
„Meine persönliche Betrachtung“
- Beim Anschauen von „Sexify“ habe ich festgestellt, dass mich gerade die Mischung aus Technik, Sexualität und ganz normalen Alltagssituationen interessiert.
- Ich habe die Serie nicht nur wegen des Themas Sexualität verfolgt.
- Mich interessiert vielmehr, wie die Figuren mit ihren Problemen umgehen und wie aus einer zunächst ziemlich verrückten Idee Schritt für Schritt ein echtes Unternehmen wird.
- Dabei fallen mir immer wieder Kleinigkeiten auf, die in einer gewöhnlichen Inhaltsangabe wahrscheinlich gar nicht erwähnt würden:
- Das Handy während der Autofahrt, die Polizei, der Computerladen, die Kreditkarte der Mutter, die Sensoren, die Geräusche aus dem Nachbarzimmer, die Gespräche mit Eltern oder die teilweise völlig absurde Gleichzeitigkeit von Alltag und Sexualität.
- Gerade diese Kleinigkeiten machen die Serie für mich lebendig.
„Fazit – zwei Staffeln, eine große Entwicklung“
- „Sexify“ beginnt als ungewöhnliche Geschichte über drei junge Frauen, die eine Sex-App entwickeln wollen.
- Daraus entsteht über 16 Folgen eine Geschichte über Freundschaft, Sexualität, Technik, Familie, Geld, Selbstbestimmung und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens.
- Natalia entwickelt sich von der technisch denkenden Informatikstudentin zu einer jungen Frau, die akzeptieren muss, dass Menschen nicht vollständig berechenbar sind.
- Paulina entwickelt ihre eigene Vorstellung von Beziehungen und Sexualität weiter.
- Monika kämpft um Selbstständigkeit und muss gleichzeitig lernen, mit wirtschaftlicher Verantwortung umzugehen.
- Rafał entwickelt sich vom Rivalen zum technischen Mitspieler.
- Adam erlebt seine eigene Krise.
- Mariusz bleibt eng mit Paulinas Entwicklung verbunden.
- Jabba ergänzt die technische Welt der Serie.
- Marek steht für die Macht des Geldes und für Monikas schwieriges Verhältnis zu familiärer Unterstützung.
- Auch hinter der Kamera entwickelt sich die Serie weiter.
- Akson Studio, Netflix, die wechselnden Kameraleute, das Produktionsdesign, der Schnitt, die Musik von JIMEK und die deutsche Synchronisation bilden gemeinsam die technische und kreative Grundlage für diese ungewöhnliche Produktion.
- Für mich ist „Sexify“ deshalb letztlich weniger eine Serie darüber, wie man eine perfekte Sex-App programmiert, sondern eine Serie darüber, wie kompliziert Menschen sind.
- Und genau darin liegt der vielleicht größte Witz der gesamten Serie:
- Natalia versucht zunächst, Sexualität mit Technik zu erklären.
- Am Ende muss sie feststellen, dass Menschen keine Computerprogramme sind.
- „Sexify“ verbindet dadurch eine ziemlich verrückte Ausgangsidee mit Comedy, Drama, Technik, Freundschaft und einer ganzen Menge alltäglichem Chaos – und genau diese Mischung macht die zwei Staffeln als Gesamtwerk interessant.







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