„Ein Flug landet – und für die Passagiere sind nur wenige Stunden vergangen. Für den Rest der Welt sind jedoch mehr als fünf Jahre vergangen.“
- Mit dieser Ausgangsidee beginnt „Manifest“. Die Mystery-Serie von Jeff Rake verbindet Science-Fiction, Familiendrama, Kriminalgeschichte, religiöse Motive und eine große Frage:
- Was passiert mit Menschen, die plötzlich in eine Welt zurückkehren, in der ihr bisheriges Leben längst weitergegangen ist?
- Ich habe mir die Serie nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Handlung angesehen. Interessant ist für mich vor allem das Zusammenspiel aus Figuren, Mystery-Konzept, wissenschaftlichen Erklärungsversuchen, religiösen Deutungen und der technischen Umsetzung.
- Dazu gehören auch die Produktionsgeschichte, Drehorte, Kameratechnik, visuelle Effekte, Musik und die Frage, wie eine ursprünglich für NBC produzierte Serie schließlich bei Netflix ihr Ende finden konnte.
„Wer steckt hinter dieser Analyse?“
- Mein Name ist Jakob Diener, ich bin freiberuflicher Journalist aus Nordrhein-Westfalen, Deutschland.
„Der Flug 828“
- Die Geschichte beginnt mit Montego Air Flight 828.
- Das Flugzeug startet in Jamaika mit dem Ziel New York.
- Während des Fluges gerät die Maschine in schwere Turbulenzen.
- Die Passagiere erleben einen ungewöhnlichen Zwischenfall, landen anschließend aber scheinbar ganz normal.
- Doch am Boden stimmt etwas nicht.
- Für die Passagiere sind nur wenige Stunden vergangen.
- Für die Außenwelt sind dagegen mehr als fünf Jahre vergangen.
- Die Angehörigen der Passagiere haben inzwischen mit ihrem Verlust leben müssen. Manche haben neue Beziehungen begonnen, Kinder sind inzwischen älter geworden und ganze Lebensabschnitte sind vergangen.
- Für die Menschen an Bord beginnt damit ein zweites Leben.
- Die zentrale Frage der Serie lautet deshalb nicht nur: „Wo waren die Passagiere?“
- Sie lautet auch: „Warum sind sie zurückgekommen?“
„Die Callings“
- Eine der wichtigsten Ideen der Serie sind die sogenannten Callings.
- Dabei handelt es sich um Visionen, Stimmen, Bilder, Gefühle oder andere Wahrnehmungen, die einzelne Passagiere erhalten.
- Die Callings sind zunächst schwer verständlich.
- Sie wirken teilweise wie persönliche Halluzinationen, teilweise wie Warnungen und teilweise wie Hinweise auf Ereignisse, die noch bevorstehen.
- Ben Stone beginnt deshalb, die Hinweise systematisch zu untersuchen.
- Aus seiner ursprünglichen wissenschaftlichen Denkweise entsteht zunehmend eine Suche nach einem größeren Zusammenhang.
- Die Callings verbinden die Figuren miteinander und treiben gleichzeitig die Handlung voran.
„Ben Stone – der wissenschaftlich denkende Familienvater“
- Ben Stone wird von Josh Dallas gespielt.
- Ben ist Wissenschaftler beziehungsweise Mathematiker und Familienvater.
- Er gehört zu den zentralen Figuren der Serie und versucht zunächst, die Ereignisse möglichst rational zu erklären.
- Seine besondere Fähigkeit ist deshalb weniger eine übernatürliche Kraft als seine Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, Informationen miteinander zu verbinden und Probleme analytisch zu untersuchen.
- Nach der Rückkehr von Flight 828 verändert sich sein Leben vollständig.
- Seine Familie ist auseinandergerissen, seine Ehe steht unter enormem Druck und gleichzeitig versucht er herauszufinden, was mit den Passagieren geschehen ist.
- Ben entwickelt sich im Laufe der Serie vom rationalen Wissenschaftler zu einem Menschen, der wissenschaftliche Erklärungen weiterhin sucht, aber akzeptieren muss, dass nicht alle Vorgänge mit den ihm bekannten Methoden erklärbar sind.
„Michaela Stone – Polizei, Schuld und Verantwortung“
- Michaela Stone, gespielt von Melissa Roxburgh, ist Bens Schwester.
- Sie arbeitet als Polizistin beim NYPD und besitzt dadurch Fähigkeiten, die für die Handlung besonders wichtig sind. Sie kann ermitteln, Menschen einschätzen und Situationen aus einer professionellen polizeilichen Perspektive betrachten.
- Auch Michaela erhält Callings.
- Ihre Geschichte ist außerdem stark von Schuldgefühlen geprägt.
- Sie hatte bereits vor dem Flug persönliche Probleme und muss nach ihrer Rückkehr feststellen, dass sich die Welt während ihrer Abwesenheit weiterentwickelt hat.
- Ihre Beziehung zu Jared Vasquez bildet dabei einen wichtigen Teil ihrer persönlichen Geschichte.
„Dr. Saanvi Bahl – Medizin trifft Mystery“
- Dr. Saanvi Bahl wird von Parveen Kaur gespielt.
- Saanvi ist Ärztin und Wissenschaftlerin. Ihre medizinische und wissenschaftliche Perspektive ist für „Manifest“ besonders wichtig, weil sie versucht, die außergewöhnlichen Ereignisse rund um Flight 828 auf einer wissenschaftlichen Grundlage zu untersuchen.
- Dabei beschäftigt sie sich unter anderem mit biologischen Veränderungen bei den Rückkehrern.
- Saanvi verkörpert damit einen wichtigen Gegenpol zur religiösen oder mystischen Interpretation der Ereignisse.
„Cal Stone – der Junge, der fünf Jahre übersprang“
- Cal Stone gehört zu den interessantesten Figuren der gesamten Serie.
- In den ersten drei Staffeln wird Cal von Jack Messina gespielt, in der vierten Staffel übernimmt Ty Doran die Rolle.
- Cal leidet vor dem Flug an einer schweren, lebensbedrohlichen Krebserkrankung.
- Seine Familie weiß, dass seine Krankheit kaum noch behandelbar ist.
- Nach der Rückkehr von Flight 828 ist der Krebs zunächst verschwunden beziehungsweise in Remission.
- Damit wird Cal zu einem der wichtigsten Hinweise darauf, dass mit den Passagieren etwas Außergewöhnliches geschehen ist.
- Später berührt Cal die geheimnisvolle Heckflosse des Flugzeugs.
- Danach verschwindet er und kehrt Jahre später körperlich deutlich gealtert zurück.
- Damit wird aus dem jungen Cal innerhalb der Handlung plötzlich ein junger Mann, der fünf Jahre älter ist.
- Doch seine Geschichte ist damit nicht beendet.
- Der Krebs kehrt zurück.
- Eine der emotionalsten Entwicklungen der Serie entsteht schließlich durch Zeke Landon.
- Zeke kann Cals Krankheit beziehungsweise dessen Schmerzen übernehmen und rettet dadurch Cal. Zeke bezahlt diese Entscheidung mit seinem eigenen Leben.
- Cals Geschichte verbindet damit mehrere zentrale Themen der Serie.
- Krankheit, Zeit, Opfer, Familie und die Frage nach dem Sinn der Ereignisse.
„Grace Stone – das Leben der Zurückgebliebenen“
- Grace Stone wird von Athena Karkanis gespielt.
- Sie ist Bens Ehefrau und die Mutter von Cal, Olive und Eden.
- Grace war nicht an Bord von Flight 828 und muss deshalb fünf Jahre ohne ihren Mann und ihren Sohn weiterleben.
- Gerade dadurch steht sie für die Perspektive der Menschen, die zurückgeblieben sind.
- Während Ben die Ereignisse als Passagier erlebt hat, musste Grace mit dem Verlust leben und ihr Leben neu organisieren.
- Ihre Geschichte zeigt, dass die Rückkehr der Passagiere nicht automatisch bedeutet, dass alles wieder so werden kann wie früher.
- Grace wird schließlich von Angelina getötet. Ihr Tod gehört zu den entscheidenden Wendepunkten der Serie.
„Olive Stone – fünf Jahre, die ihr Bruder nicht erlebt hat“
- Olive Stone, gespielt von Luna Blaise, ist Cals Zwillingsschwester.
- Während Cal an Bord von Flight 828 bleibt, lebt Olive fünf Jahre weiter.
- Damit entsteht eine außergewöhnliche Situation.
- Die Zwillinge gehören biologisch zusammen, sind aber nach der Rückkehr plötzlich unterschiedlich alt.
- Olive wird im Verlauf der Serie zu einer wichtigen Figur bei der Entschlüsselung der Mythologie.
- Sie beschäftigt sich intensiv mit Symbolen, historischen Hinweisen und den Zusammenhängen zwischen den verschiedenen Ereignissen.
„Jared Vasquez – Polizist und Michaela nahestehend“
- Jared Vasquez wird von J. R. Ramirez gespielt.
- Er ist Polizist und war vor Flight 828 mit Michaela verbunden.
- Nach ihrer Rückkehr wird ihre Beziehung kompliziert. Jared hat sein Leben während ihrer Abwesenheit weitergeführt, während Michaela plötzlich wieder in seine Welt zurückkehrt.
- Damit steht Jared für einen weiteren wichtigen Aspekt der Serie.
- Die Rückkehrer bekommen ihr altes Leben nicht einfach zurück.
„Zeke Landon – der Mann außerhalb von Flight 828“
- Zeke Landon, gespielt von Matt Long, war kein Passagier von Flight 828.
- Trotzdem erlebt auch er eine außergewöhnliche zeitliche und übernatürliche Geschichte.
- Zeke entwickelt im Verlauf der Serie eine besondere empathische Fähigkeit.
- Er kann die Gefühle und teilweise auch die Schmerzen anderer Menschen wahrnehmen.
- Seine Beziehung zu Michaela wird zu einem der wichtigsten emotionalen Elemente der späteren Staffeln.
- Besonders entscheidend ist seine Verbindung zu Cal.
- Zeke übernimmt schließlich Cals Krankheit und ermöglicht ihm damit zu überleben. Er stirbt dadurch selbst.
- Seine Geschichte gehört für mich zu den stärksten Beispielen dafür, wie „Manifest“ das Mystery-Konzept mit einem persönlichen Opfer verbindet.
„Robert Vance – der Ermittler im Hintergrund“
- Robert Vance wird von Daryl Edwards gespielt.
- Vance ist ein hochrangiger Regierungs- beziehungsweise Geheimdienstmitarbeiter und beschäftigt sich intensiv mit Flight 828.
- Er gehört zu den Figuren, die versuchen, die Vorgänge auf staatlicher Ebene zu untersuchen und unter Kontrolle zu bringen.
- Seine Rolle verändert sich im Laufe der Serie mehrfach. Er wird zeitweise für tot gehalten, kehrt aber später zurück und arbeitet unter anderem mit Saanvi zusammen.
„Angelina Meyer – religiöse Interpretation wird zur Gefahr“
- Angelina Meyer wird von Holly Taylor gespielt.
- Sie ist ebenfalls Passagierin von Flight 828 und entwickelt eine zunehmend religiöse Interpretation der Ereignisse.
- Im Verlauf der Serie wird Angelina zu einer der wichtigsten Gegenspielerinnen.
- Ihre Verbindung zu Eden und ihre Vorstellungen von einer besonderen göttlichen Bedeutung der Ereignisse führen schließlich zu einer gefährlichen Obsession.
- Angelina entwickelt eine besondere Beziehung zum Omega-Saphir und wird dadurch zu einer Schlüsselfigur im letzten Teil der Geschichte.
„Weitere wichtige Figuren“
- Neben den genannten Hauptfiguren spielen unter anderem Eagan Tehrani, Adrian Shannon und Drea Mikami wichtige Rollen.
- Eagan besitzt eine außergewöhnlich starke Fähigkeit, sich an Informationen und Details zu erinnern.
- Er entwickelt jedoch zunehmend eigene Vorstellungen darüber, wie mit den Callings umzugehen ist.
- Adrian Shannon ist ebenfalls Passagier von Flight 828 und beschäftigt sich stark mit der religiösen Deutung der Ereignisse.
- Drea Mikami arbeitet als Polizistin und wird später für Michaela zu einer wichtigen Verbündeten.
- Die Vielzahl der Figuren gehört gleichzeitig zu den Stärken und Schwächen von „Manifest“.
- Die Serie besitzt dadurch ein sehr großes Figurenensemble, verlangt dem Zuschauer aber auch einiges an Aufmerksamkeit ab.
„Die Death Date“
- Ein weiterer zentraler Begriff ist die sogenannte Death Date.
- Die Passagiere erfahren, dass sie nicht einfach unbegrenzt weiterleben können. Der Zeitraum zwischen ihrer Rückkehr und dem sogenannten Todesdatum hängt mit der Zeit zusammen, die während ihrer Abwesenheit vergangen ist.
- Das Datum wird schließlich mit dem 2. Juni 2024 verbunden.
- Damit bekommt die Serie eine Art Countdown.
- Die Passagiere müssen nicht nur herausfinden, warum Flight 828 verschwunden ist. Sie müssen gleichzeitig herausfinden, wie sie ihr eigenes Schicksal verändern können.
„Wissenschaft oder Religion?“
- Genau hier liegt eines der interessantesten Themen von „Manifest“.
- Die Serie stellt wissenschaftliche Erklärungen und religiöse beziehungsweise mystische Deutungen nebeneinander.
- Saanvi versucht, biologische und medizinische Zusammenhänge zu verstehen.
- Ben sucht nach mathematischen und logischen Mustern.
- Andere Figuren sehen in den Ereignissen dagegen eine göttliche oder spirituelle Bedeutung.
„Manifest“ entscheidet sich letztlich nicht für eine rein wissenschaftliche Erklärung.
- Stattdessen entwickelt die Serie eine eigene Mythologie, in der Zeit, Bewusstsein, göttliche Prüfung, menschliche Entscheidungen und übernatürliche Phänomene miteinander verbunden werden.
„Der Omega-Saphir“
- Im letzten Teil der Serie bekommt der Omega-Saphir eine besondere Bedeutung.
- Er wird zu einem zentralen Bestandteil der Mythologie und steht in Verbindung mit den übernatürlichen Fähigkeiten der Passagiere.
- Dabei nimmt die Handlung zunehmend religiös-mystische Züge an.
- Für Zuschauer, die vor allem wegen des ursprünglichen Mystery-Rätsels eingeschaltet haben, ist dieser Teil möglicherweise gewöhnungsbedürftig. Gleichzeitig bildet er die Grundlage für die Auflösung der Geschichte.
„Der entscheidende Wendepunkt in Staffel 3“
- Das Ende der dritten Staffel verändert die Serie grundlegend.
- Grace wird von Angelina getötet.
- Angelina entführt Eden.
- Cal berührt die geheimnisvolle Heckflosse des Flugzeugs und kehrt anschließend fünf Jahre älter zurück.
- Parallel verschwindet Captain Bill Daly gemeinsam mit dem Flugzeug beziehungsweise taucht auf mysteriöse Weise wieder auf.
- Damit wird endgültig klar, dass die Vorgänge rund um Flight 828 wesentlich größer sind als eine einzelne Flugzeugkatastrophe.
„Von NBC zu Netflix“
- „Manifest“ startete 2018 beim US-Sender NBC.
- Nach drei Staffeln wurde die Serie von NBC eingestellt.
- Für die Geschichte hätte das ursprünglich bedeutet, dass die Zuschauer möglicherweise keine vollständige Auflösung bekommen würden.
- Netflix übernahm die Serie anschließend und bestellte eine vierte und letzte Staffel.
- Dabei wurde das ursprünglich deutlich umfangreicher geplante Konzept von Jeff Rake komprimiert.
- Rake hatte ursprünglich eine Geschichte über sechs Staffeln vorgesehen. Für Netflix wurden daraus 20 Episoden der vierten Staffel.
- Die vierte Staffel wurde wiederum in zwei Teile aufgeteilt.
- Teil 1 erschien am 4. November 2022.
- Teil 2 folgte am 2. Juni 2023.
Damit bekam „Manifest“ letztlich doch ein richtiges Serienfinale.
„Produktion und Produktionsfirmen“
- Produziert wurde „Manifest“ unter anderem von Warner Bros. Television, Compari Entertainment, Jeff Rake Productions und Universal Television.
- Zu den ausführenden Produzenten gehörten unter anderem Jeff Rake und Robert Zemeckis.
- Die Serie entstand damit innerhalb einer klassischen großen US-Fernsehproduktion und wurde nicht ursprünglich als Netflix-Original entwickelt.
- Erst mit der vierten Staffel wurde Netflix zum entscheidenden Partner für den Abschluss der Geschichte.
„Wie teuer war Manifest?“
- Bei den Produktionskosten ist eine wichtige journalistische Unterscheidung notwendig.
- Für die einzelnen Staffeln sind keine belastbaren, offiziell veröffentlichten Gesamtbudgets bekannt, die sich seriös Staffel für Staffel angeben lassen.
- Deshalb möchte ich hier keine vermeintlich exakten Millionenbeträge übernehmen, die lediglich aus nicht überprüfbaren Internetangaben stammen.
- Bei einer solchen Produktion setzen sich die Kosten unter anderem aus Darstellergagen, Drehbuch und Produktion, Studios, Außendrehs, Kameratechnik, Beleuchtung, Crew, Nachbearbeitung, visuellen Effekten, Musik, Versicherungen, Transport und zahlreichen weiteren Produktionsbereichen zusammen.
- Gerade die vierte Staffel war durch ihre 20 Episoden und die Aufteilung in zwei Produktionsblöcke ein erheblicher Produktionsaufwand.
- Seriös lässt sich derzeit vor allem festhalten: Ein öffentlich bestätigtes Staffelbudget liegt nicht zuverlässig vor.
„Wo wurde Manifest gedreht?“
- Die Serie ist stark mit New York verbunden.
- Gedreht wurde unter anderem in New York City und in den Silvercup Studios in Long Island City, Queens.
- Auch Jet Flite International am Republic Airport in East Farmingdale wurde für Flughafen- und Hangarszenen genutzt.
- Der Pilotfilm hatte allerdings eine Besonderheit:
- Die Pilotfolge wurde in Los Angeles produziert beziehungsweise gedreht.
- New York wird in „Manifest“ dadurch fast selbst zu einer Figur der Serie. Straßen, Wohnungen, Polizeistationen, Krankenhäuser und die unterschiedlichen Stadtviertel geben der Geschichte eine sehr konkrete Umgebung.
„Mit welchen Kameras wurde gedreht?“
- „Manifest“ wurde als Single-Camera-Produktion umgesetzt.
- Bei den technischen Angaben sind beispielsweise für die dritte Staffel ARRI Alexa Mini und Cooke-S4-Objektive dokumentiert. Als Bildformat wird 1,78:1 angegeben.
- Die Kameraarbeit orientiert sich häufig an einem realistischen, natürlichen Erscheinungsbild.
- Dadurch wirken viele Alltagsszenen bewusst nicht wie klassische Science-Fiction.
- Wenn die Callings einsetzen, verändert sich dagegen die visuelle Sprache.
- Licht, Farbe, Bewegung und visuelle Effekte werden stärker eingesetzt, um deutlich zu machen, dass sich die Figuren in einer anderen Wahrnehmungsebene befinden.
- Für größere Actionszenen kamen außerdem aufwendigere Mehrkamera-Setups zum Einsatz.
„Licht und visuelle Gestaltung“
- Die Lichtgestaltung spielt insbesondere bei den Callings eine wichtige Rolle.
- Bei der Produktion kamen unter anderem LED-Systeme wie ARRI SkyPanels und Astera-Leuchten zum Einsatz.
- Damit konnten Lichtveränderungen, Blitze, farbliche Effekte und andere Erscheinungen präzise gesteuert werden.
- Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine übernatürliche Szene nicht zwangsläufig komplett aus dem Computer kommen muss.
- Ein Teil der Wirkung entsteht bereits am Set durch Licht, Kamera und Atmosphäre.
„Visuelle Effekte“
- Die visuellen Effekte werden vor allem dort eingesetzt, wo die normale Realität der Serie verlassen wird.
- Dazu gehören die Erscheinungen rund um die Callings, die besonderen Ereignisse um das Flugzeug, den Omega-Saphir und die späteren übernatürlichen Vorgänge.
- Die Serie versucht dabei häufig, digitale Effekte mit real gedrehtem Material zu verbinden.
- Das sorgt dafür, dass die Fantasy- und Mystery-Elemente nicht permanent wie eine klassische Science-Fiction-Produktion wirken.
„Schnitt und Erzählstruktur“
- Eine besondere Herausforderung bei „Manifest“ ist die große Zahl paralleler Handlungsstränge.
- Ben untersucht ein Calling, während Michaela einen Fall bearbeitet, Saanvi wissenschaftliche Untersuchungen durchführt und gleichzeitig die Familiengeschichte weiterläuft.
- Der Schnitt muss deshalb ständig zwischen verschiedenen Figuren und Ebenen wechseln.
- Gerade in den späteren Staffeln nimmt die Komplexität deutlich zu.
- Das führt teilweise zu einem hohen Erzähltempo, kann aber auch den Eindruck vermitteln, dass die Serie sehr viele Rätsel gleichzeitig lösen möchte.
„Musik und Sound“
- Die Musik stammt von Danny Lux.
- Die Filmmusik unterstützt insbesondere die Mystery-Atmosphäre und die emotionalen Momente.
- Dabei arbeitet die Serie häufig mit einer Kombination aus ruhigen, emotionalen Passagen und spannungssteigernden musikalischen Flächen.
- Auch der Sound spielt bei den Callings eine wichtige Rolle. Stimmen, Geräusche und musikalische Elemente werden teilweise miteinander verbunden, sodass für den Zuschauer nicht immer sofort klar ist, ob gerade etwas Reales oder Übernatürliches geschieht.
„Die Rettung durch Netflix“
- Die Geschichte hinter der Serie ist fast selbst ein kleines „Manifest“-Kapitel.
- Nach der Einstellung durch NBC entwickelte sich bei Netflix ein starkes Zuschauerinteresse.
- Die Serie erreichte dort sehr hohe Abrufzahlen, wodurch Netflix schließlich eine weitere Staffel ermöglichte.
- Das passt erstaunlich gut zur Geschichte der Serie selbst:
- Eine Produktion, die eigentlich beendet war, bekam eine zweite Chance.
- Jeff Rakes ursprünglicher Plan für sechs Staffeln musste zwar deutlich gekürzt werden, aber die wichtigsten Handlungsstränge konnten zu einem Abschluss gebracht werden.
„Das Serienfinale“
- Im Finale kehren die Passagiere von Flight 828 wieder an den Ausgangspunkt zurück.
- Das Flugzeug landet schließlich wieder im Jahr 2013.
- Damit bekommen die Passagiere eine zweite Chance.
- Die Ereignisse der vergangenen Jahre sind nicht einfach bedeutungslos gewesen. Die Figuren haben Erfahrungen gemacht, Menschen verloren, Beziehungen verändert und Entscheidungen getroffen.
- Gleichzeitig erhalten sie die Möglichkeit, ihr Leben anders zu führen.
- Das Finale ist deshalb weniger eine klassische wissenschaftliche Auflösung des gesamten Rätsels als eine thematische Auflösung.
- Die Serie beantwortet die Frage nach dem Sinn der Reise letztlich über die Entwicklung ihrer Figuren.
„Meine journalistische Betrachtung“
- Für mich liegt die eigentliche Stärke von „Manifest“ nicht ausschließlich in der Frage, was mit Flight 828 passiert ist.
- Die Ausgangsidee ist zweifellos der große Magnet der Serie:
- Ein Flugzeug verschwindet für die Welt und kehrt mehr als fünf Jahre später zurück.
- Doch danach wird die Serie vor allem zu einer Geschichte über Menschen.
- Ben muss lernen, dass er nicht alles kontrollieren kann.
- Michaela muss mit ihrer Vergangenheit umgehen.
- Saanvi versucht, das Unbekannte wissenschaftlich zu erklären.
- Cal erlebt die außergewöhnlichste Entwicklung der gesamten Serie.
- Olive muss damit leben, dass ihr Zwillingsbruder plötzlich wieder da ist, obwohl sie selbst fünf Jahre älter geworden ist.
- Zeke zeigt, dass die Serie auch die Möglichkeit des persönlichen Opfers in den Mittelpunkt stellen kann.
- Gleichzeitig hat „Manifest“ eine Schwäche, die sich im Laufe der Staffeln immer stärker zeigt: Die Mythologie wird zunehmend komplizierter.
- Nicht jede Erklärung wirkt deshalb für mich gleich überzeugend.
- Manche Rätsel funktionieren gerade deshalb so gut, weil sie zunächst offenbleiben.
- Sobald eine Serie versucht, jedes Geheimnis vollständig zu erklären, besteht immer die Gefahr, dass ein Teil des ursprünglichen Zaubers verloren geht.
- Trotzdem halte ich das Grundkonzept für bemerkenswert.
- „Manifest“ verbindet Mystery, Familie, Wissenschaft, Religion und menschliche Entscheidungen zu einer eigenen Serienwelt.
- Und vielleicht ist genau das die interessanteste Verbindung zwischen Inhalt und Produktionsgeschichte:
- Auch die Serie selbst bekam eine zweite Chance.
- NBC beendete die Geschichte.
- Netflix setzte sie fort.
- Und die Passagiere von Flight 828 bekommen am Ende ebenfalls eine zweite Chance.
- Damit schließt sich der Kreis.
„Mein Fazit“
- „Manifest“ ist keine Serie, die sich ausschließlich über die Auflösung ihres Mystery-Rätsels definiert.
- Sie erzählt vor allem von Menschen, die plötzlich aus ihrem bisherigen Leben herausgerissen werden und anschließend versuchen müssen, mit einer völlig veränderten Realität zurechtzukommen.
- Die vier Staffeln umfassen insgesamt 62 Episoden.
- Aus einer zunächst bei NBC gestarteten Mystery-Serie wurde durch Netflix schließlich eine abgeschlossene Geschichte.
- Für mich bleibt vor allem die Kombination aus Mystery und menschlicher Geschichte im Gedächtnis.
- Die Serie verlangt dem Zuschauer zwar einiges an Geduld ab und wird in ihrer Mythologie teilweise sehr komplex, besitzt aber eine ungewöhnliche Grundidee und einige ausgesprochen starke Figurenentwicklungen.
- Und genau deshalb funktioniert „Manifest“ für mich am besten dann, wenn nicht das nächste große Rätsel im Mittelpunkt steht, sondern die Menschen, die mit diesem Rätsel leben müssen.






Nutzer heute : 3
Nutzer gestern : 255
Diesen Monat : 658
Dieses Jahr : 3859
Gesamtzahl der Nutzer : 3859
Ansichten heute : 22
Gesamtaufrufe : 7820
Wer ist online? : 3